Mai


Foto: Achim Zahn
Mai 2017 unterwegs auf dem Altmühltal-Panoramaweg kurz vor der Einthalklamm
Das Altmühltal – trotz begradigter Naturschlampereien und Vereinsmeierei ein Juwel bayerischer Landschaften
Mitten im Wald am Hirschberg ragt zwischen dem Main-Donau-Kanal (Altmühltal) und dem Donaudurchbruch ein drei Kilometer langer, mächtiger Erdwall aus dem Boden. Aufgeworfen vor 2000 Jahren zum Schutz einer keltischen Stadt. Der Altmühltal-Panoramaweg verläuft auf der Kuppe der Keltenmauer. Es ist ein faszinierender Pfad, der da im Zeichen einer roten, geschwungenen Linie auf gelben Untergrund von Gunzenhausen 200 Kilometer lang und mit einem Höhenunterschied von über 8000 Metern nach Kelheim führt. Untergrund und Steigung wechseln ständig. Das Profil gleicht einem Sägeblatt mit unterschiedlichen Zähnen. Hinter jeder Kurve wartet eine Überraschung. Nach Altessing im Tal der Altmühl, bei den monumentalen „Schellnecker Wänd“ taucht der Weg in den dichten Buchenwald des Hirschbergs, führt durch ein enges Tälchen zwischen moosbewachsenen Felsen steil bergauf. Mittels einer Schleife auf einer aufgelassenen Rückegasse gewinnt man die Anhöhe des Keltenwalls. Nur ein kurzes Stück muss das Rad geschoben werden. Nicht gerade, sondern dem welligen Gelände angepasst zieht die alte Schutzmauer den Hang aufwärts. Der höchste Punkt liegt fast 150 Meter über der Altmühl. Die Reifen rollen auf feinem Waldboden, holpern über meterlange Wurzelgerippe oder raue Felsteppiche. Mehrere Walldurchstiche bilden kleine Extremrampen. Es ist ein kurzweiliges Kurbeln und Bremsen, macht in beiden Fahrtrichtungen einfach Spaß. Unvermittelt endet der Erdwall. Licht fällt durch das dichte Blätterkleid. Eine Ecke weiter bricht der Boden ab. Am Fuß der 60 Meter hohen Felswand windet sich die Donau durch die Weltenburger Enge. Was für ein Anblick!
Jeder Wanderverein braucht einen Weg
Aus Naturschutz- und Sicherheitsgründen wurden wenige Teilabschnitte des Altmühltal Panoramawegs für Mountainbiker gesperrt. Dazu gehört auch der Keltenwall am Hirschberg. Entsprechende Verbotsschilder, wie sie etwa an der Einthalklamm zwischen Riedenburg und Essing stehen, fehlen aber noch. Nach neuer Rechtsprechung kann ein Trail für Radfahrer gesperrt werden, wenn er nicht breit genug ist, so dass Fußgänger und Radfahrer ohne Gefährdung passieren können. Wenn der Verlauf nicht gut einzusehen und Gegenverkehr nicht rechtzeitig wahrgenommen werden kann. Ich sage Euch, >> der „Weg auf dem Wall“ ist ganz vortrefflich zum Mountainbiken geeignet. Radler wie Wanderer können gemeinsam eine Menge Spaß haben, ohne sich gefährlich zu nahe zu kommen. Und warum ein Radfahrer auf dem befestigten Keltenwall im zugänglich gemachten Schutzgebiet den Wald mehr gefährdet als ein Fußgänger, weiß auch nur der Jurist vom Landratsamt Eichstätt.<< Die Stadt ist Sitz der Verwaltung und des Vereins >>Naturpark Altmühltal<<. Der Keltenwall ist mehr als 60 Straßenkilometer entfernt und gehört eigentlich zum Landkreis Kelheim. >>Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.<< Für ein schönes Bike-Wochenende mit zwei Tagestouren bietet sich der Altmühltal-Abschnitt von Beilngries bis Kelheim mit Standort Riedenburg an. Der schöne Luftkurort mit einer einladenden Altstadt liegt am Main-Donau-Kanal in einer Biegung des Altmühltals am Fuße der Rosenburg und der beiden Ruinen Tachenstein und Rabenstein.
Zum "Beil im Gries" von Sulz und Altmühl
Eine Tagestour führt an der nördlichen Kante das Altmühltal aufwärts mit tollen Blicken auf den Kanal und einem rekonstruierten Keltendorf nach Dietfurt, wo der Main-Donau-Kanal das Wasser der Altmühl aufnimmt. Dazu der Bayerische Kabarettist Gerhard Polt: >>Sagt ihnen das Wort 'mäandern' etwas? Das ist eine Naturschlamperei! Diese Altmühl - sie mäandert. Und deswegen wird sie jetzt begradigt!<< Worauf der damalige Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß entgegnete, >> wenn der Kanal fertiggestellt wird, gibt es eine andere Landschaft, aber eine Landschaft, die genauso schön ist, eine Landschaft die genauso als ein Juwel für Bayern betrachtet werden kann.<< Beide hatten recht. Umkehrpunkt ist das noch teilweise von einer Stadtmauer umfriedetet Beilngries. Am südlichen Stadttor mündet die Sulz in die Altmühl. Der Legende nach ist der Ort aus dem Streit zweier Brüder entstanden. Sie wollten eine Stadt gründen, konnten sich aber über den Standort nicht einigen. So warfen sie die Äxte von ihrer Burg auf dem Hirschberg ins Tal. Beide blieben im Schwemmland von Sulz und Altmühl, dem Gries, liegen. Daher der Name Beilngries. Ein Pfad, wie ihn sich jeder Mountainbiker wünscht, führt am Hang des Arzbergs zum aufgelassenen Steinbruch bei Kottingwörth, wo sich hunderte Kalkschichten übereinander türmen. Nach Töging geht es am südlichen Hang des Altmühltals zurück. Die geschützte Wacholderheide am aussichtsreichen Rosskopf und die kräftezehrende Auffahrt durch den Katzengraben zur Ruine Tachenstein über Riedenburg machen den Tourentag rund.
Mit einer Donaufähre ohne Motor zu Schweinshaxe und Klosterbier
Die zweite Tagestour das Altmühltal abwärts hat ihren Umkehrpunkt in Kelheim an der Donau. Der Parcours dorthin zündet ein Feuerwerk an Eindrücken. Gleich zu Beginn im Felslabyrinth der Einthalklamm zerreißt ein Kanonenschlag die friedliche Atmosphäre des Zusammenspiels von Mensch, Wald, Farn, Moos und Säulen aus Stein. Auf einer großen, in den Farben des Panoramaweg-Logos gehaltenen Blechtafel steht: >>tolerant & miteinander. Die Klamm ist für Radfahrer nicht geeignet und gesperrt. Achtung Wanderer! Schwieriger Steig. Achten Sie auf Steinschlag und Baumfall!<< Darunter werden auf einer kleinen Skizze Alternativrouten aufgezeigt. Richtig ist: Auf dem etwa 900 Meter langen Wegstück fährt niemand mit dem Rad. Allenfalls ein Danny MacAskill hüpft hier die Steintreppen rauf und runter. An dem Felsspalt, der nicht einmal einen Lenker breit ist, wird auch er scheitern. Viele Radwegfahrer wären in diesem Gelände überfordert. Ein Alpencrosser aber marschiert da mit großen Augen verzückt hindurch. Würde man in den Alpen ähnliche Passagen wie etwa die Val d’Uina-Schluchtgalerie oder den Schrofenpass sperren, wäre ein Großteil aller klassischen Alpenüberquerungen nicht mehr machbar. Toleranz sieht für mich jedenfalls anders aus. Auf der anderen Talseite thront Schloss Prunn, dem Idealbild einer Ritterburg gleich, auf einem fast senkrechten Kalkfelsen. Die steile Auffahrt kostet Kraft. Eine Führung durch die alten Gemäuer dauert 45 Minuten. In Essing wechselt man wieder auf einer 190 Meter langen, geschwungenen Holzbrücke, von den Einheimischen "Tatzlwurm" genannt, auf die andere Kanalseite. Der Keltenwall gibt zum Donaudurchbruch die Richtung vor. Am Eingang zur Weltenburger Enge bringt die Seilfähre Stausacker mit Hilfe der natürlichen Strömung alle trockenen Fußes auf die andere Donauseite. Die Überfahrt kostet mit Bike 1,50.- Euro. Im schönen Biergarten inmitten der barocken Benediktiner-Klosteranlage von Weltenburg am Ufer einer Donau-Schlinge gibt es Speis und Trank. Aber aufgepasst! Die bevorstehende, steile Auffahrt zum Wurzberg, wo sich im Wald die schönsten Blicke auf den Donaudurchbruch verbergen, gestaltet sich alles andere als verdauungsfreundlich. Entlang dem Limes geht es hinab nach Kelheim und sogleich auf einem schmalen Teerweg durch sechs Kehren hinauf zur weithin strahlenden Befreiungshalle am Michelsberg. Ein feiner Waldpfad zur klassischen Weltenburg-Schau am Beginn des Keltenwalls belohnt die Mühen. Der „Weg auf dem Wall“ bereitet auch in der Gegenrichtung eine Menge Spaß.


Foto: Achim Zahn
Mai 2017 unterwegs im Harz: Über der Eckertalsperre auf dem Kolonnenweg zum Brocken.


Foto: Achim Zahn

Mai 2014 unterwegs in Bolivien: Auf dem Salar de Uyuni zur Isla del Pescado, Lagunenroute.


Foto: Achim Zahn
Mai 2007 in Korsika: Ein Wegweiser im Wald von Cucavera.


Foto: Achim Zahn
Mai 2014 in Bolivien: Auf der Lagunenroute